Bäckerei im Kanton Thurgau
Eine Bäckerei lebt von frühen Stunden: Mein Mann beginnt um zwei Uhr in der Backstube, ich öffne um fünf den Laden, und die Präsenzzeiten ziehen sich bis am Abend. Die Arbeit ist körperlich anspruchsvoll, mit langem Stehen, schwerem Heben und dem ständigen Wechsel zwischen der Hitze des Ofens und der Kälte des Tiefkühlers. Als letzte unabhängige Bäckerei am Ort sind wir ein kleines, eingespieltes Team. Dass wir auf die Gesundheit unserer Mitarbeitenden achten, ist für mich keine Nebensache, sondern die Voraussetzung dafür, dass der Betrieb läuft.
Yolanda Hackebeil, Mitinhaberin
- Unternehmen
- Bäckerei Hackebeil, Thurgau
- Gründungsjahr
- 1998
- Anzahl Mitarbeitende
- 5
Probleme spreche ich direkt an
In einem so kleinen Team bleibt wenig verborgen. Wenn mir auffällt, dass etwas nicht stimmt, spreche ich es direkt an, statt es liegen zu lassen; Probleme sollen sich gar nicht erst aufstauen. Diese Direktheit gehört bei uns dazu, und sie funktioniert, weil wir nah beieinander arbeiten und uns gegenseitig unterstützen.
Bei Beschwerden gestalten wir den Arbeitsplatz um
Unsere Arbeit hinterlässt Spuren am Rücken und an den Knien. Anfang Jahr fiel ein Mitarbeiter aufgrund einer Operation sechs Monate aus, und ich bin in der Backstube eingesprungen. Wenn jemand körperliche Beschwerden hat, verteilen wir Aufgaben neu und passen den Arbeitsplatz an, so gut es geht. Vieles davon ist vorübergehend, aber mit kleinen Anpassungen lässt sich viel auffangen. Mit Stehhockern können wir bei Rückenschmerzen auch die Arbeitshöhe am Tisch verändern.
Ein verlässlicher Rhythmus statt Wechselschichten
Die Nachtarbeit ist anspruchsvoll, und das frühe Aufstehen bleibt eine Umstellung. Aber unsere Arbeitszeiten sind jeden Tag dieselben; Wechselschichten kennen wir nicht. Der Körper gewöhnt sich an einen festen Rhythmus, und das macht die frühen Stunden für uns erträglicher, als wenn ständig alles wechseln würde.
Gegen die Hitze im Sommer
Im Sommer staut sich die Wärme. Der Ofen läuft von zwei bis sechs Uhr und bleibt bis am Nachmittag heiss; in der Backstube steigen die Temperaturen dann auf bis zu 40 Grad. Eine Klimaanlage ist in unserer Backstube aufgrund des Mehls nicht möglich, und auch Ventilatoren gehen nicht. In unserem Fall funktioniert es am besten, wenn wir konsequent über die Fenster lüften. Im Laden, wo sich die Hitze ebenfalls staut, haben wir dafür eine Klimaanlage eingebaut. Zudem achten wir darauf, dass überall genügend Trinkwasser zur Verfügung steht.
Freundschaften und Ausgleich bewusst pflegen
Mit unseren Arbeitszeiten ergibt sich ein soziales Leben nicht von allein; Freundschaften muss man aktiv pflegen, und gute Freunde bringen Verständnis dafür auf. Freizeit und Vereine sind möglich, wenn man es wirklich will: Mein Mann ist in der Feuerwehr und legt sich dafür am Nachmittag hin, um am Abend dabei sein zu können. Dass wir als Paar im selben Betrieb arbeiten, erleichtert es uns, diesen Ausgleich überhaupt hinzubekommen.